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Institut für Politikwissenschaft und Soziologie

"Männer im Spagat zwischen gesellschaftlichen Ansprüchen" – Veranstaltung des AK Gender am 9.6.2016

Am 09.06.2016 traf sich der AK-Gender zum letzten Mal in diesem Semester, um über das Thema „Männer im Spagat zwischen gesellschaftlichen Ansprüchen“ zu diskutieren. 

Ausgangspunkt bildete eine Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, welches nahe legt, dass das Fremd- und Selbstverständnis des modernen Mannes sehr viel komplexer und zum Teil auch widersprüchlicher geworden ist. Die Untersuchung zeigt, dass Männer im Durchschnitt ein teiltraditionelles Profil als zentrales Leitbild aufweisen, allerdings auch Attribute hinzugekommen sind, die vormals Frauen zugeordnet wurden. So sind Fähigkeiten wie Zärtlichkeit, Gefühle zeigen, oder Selbstkritik neue Elemente des sympathischen, modernen Mannes.

Die Studie unterstreicht zudem, dass Frauen als „Ko-Architektinnen“ des Männerleitbildes bezeichnet werden können, da sie zwar – insbesondere bei der Familiengründung – Kernelemente aus dem Leitbild des traditionellen Haupternährers bestätigen und erwarten, aber gleichzeitig Anforderungen aus anderen Rollenmustern an Männer stellen. Eine Studie von Elite Partner bestätigt, dass 88% der befragten Frauen den durchsetzungsstarken, selbstbewussten Alpha-Mann  suchen, der zugleich empathisch und kommunikativ ist, sich hingebungsvoll der Kindererziehung widmet und sich an den Aufgaben des Haushalts beteiligt. 

Einerseits stellen diese neuen Anforderungen einen Gewinn für die Männer dar, da es ihnen ermöglicht aus ihrem traditionellen Rollenkäfig auszubrechen. Andererseits schafft diese neue Freiheit angesichts fehlender orientierender Maßstäbe und einer weiterhin traditionellen Sozialisation Verunsicherung und Überforderung. 

Hieran entzündete sich eine Diskussion, welche deutlich machte, dass für künftige Generationen durchaus Vorteile durch das geänderte Rollenverständnis entstehen, da dieses mit einem Mehr an individueller Freiheit einhergeht. Das Fehlen fester Rollenzuweisungen und Kategorien, welche vor allem jungen Männern – und auch Frauen – eine Orientierungshilfe geben könnten, generiert jedoch gleichzeitig eine enorme Unsicherheit. Eine zentrale Ursache für diese Verunsicherung stellt die Sozialisation dar, welche aktuell noch an traditionellen Rollenbildern orientiert ist und demzufolge nicht auf die neuen gesellschaftlichen Herausforderungen vorbereitet. 

Wir bedanken uns bei allen Anwesenden für die interessante und anregende Diskussion und freuen uns auf das neue Semester, in welchem wir über Transgender, antifeministische Akteur*innen und gesellschaftliche Auswirkungen der Pornographie diskutieren werden.

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