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Institut für Politikwissenschaft und Soziologie

POL&IS-Simulation 2012: Außenpolitik in Echtzeit

Am Wochenende vom 1.6. bis zum 3.6.2012 fand das Planspiel POL&IS (Politik und Internationale Sicherheit) der Bundeswehr in den Räumlichkeiten der Universität Würzburg am Wittelsbacherplatz statt.

Unter Leitung von Vertretern des Reservistenverbandes und Michael Melcher wurde drei Tage lang die Welt in insgesamt 12 Regionen (z.B. Nordamerika, Ozeanien, Südostasien, Afrika etc.) aufgeteilt und diese mit an der Realität orientierten Wirtschafts- und Militärdaten ausgestattet. Für jede Region gab es jeweils einen Regierungsspieler und einen Wirtschaftsspieler, wobei die Regierung ebenfalls für den Einsatz und die Planung des Militärs zuständig war. Die Regierungsspieler gestalteten Innen- und die Außenpolitik, während sich die Wirtschaftsspieler um die ökonomischen Belange ihrer Regionen kümmern mussten. Zwei weitere Spieler besetzten die Positionen der Weltbank und der Weltpresse.

In der ersten Runde sollten die Spieler sich vordergründig in die von ihnen vertretenen Rollen „einleben“ und das Regelwerk für die verschiedenen Züge verinnerlichen. Schon nach dem Ende der ersten Runde wurden zwischenstaatliche Verträge geschlossen, strategisch-militärische Schachzüge ausgeführt und in der simulierten Wirtschaft wurden Rohstoffe und Güter gehandelt und für die kommenden Runden vertraglich fixiert. 

Nach zwei Runden spitzte sich ein entstandener Konflikt in Ozeanien zu, da die Regionen Südostasien, Russland und Japan ihre militärischen Kräfte in der Region positioniert und heimlich einen Bündnispakt geschlossen hatten. Nach mehreren Verhandlungsrunden und Kontrollen durch den Sicherheitsrat beruhigte sich die Lage jedoch wieder und ein militärischer Konflikt konnte abgewendet werden. Durch das rapide Bevölkerungswachstum in Afrika entstand fast auf dem gesamten Kontinent eine Nahrungsmittelknappheit, die trotz der (Entwicklungs-) Hilfen und Lieferung von Nahrungsmitteln mehrerer Regionen nur schwer in den Griff zu bekommen war. So brachen in der afrikanischen Region nach drei Runden Guerilla-Kriege aus, die bis zum Ende der Simulation trotz militärischer Unterstützung durch die Vereinten Nationen nicht unter Kontrolle gebracht werden konnten. Außerdem stellte sich heraus, dass durch einen Geheimdeal zwischen den Regionen Arabien und China die Verfahren zur Herstellung von Nuklearwaffen weitergegeben wurden. In Runde Vier kamen diese zum Einsatz und sorgten für eine Kettenreaktion, die die Vereinigten Staaten und Russland dazu veranlassten, auf die Angriffe im Nahen Osten ebenfalls mit nuklearen Sprengköpfen zu reagieren. Dies hatte einen nuklearen Winter zufolge, der als Modul in die Simulation eingebunden ist, wenn es zu vermehrten atomaren Angriffen kommt. Schlechte Ernten, der Verlust von Industrieproduktionszentren, Energieengpässe und Rohstoffknappheit waren die Folge.

In vielen Ländern brach Chaos aus, die Schäden konnten nicht mehr kompensiert werden und ein Großteil der Länder versank im Chaos. Lediglich eine Handvoll Regionen konnte die vorgeschriebenen Quoten erfüllen und somit seine Bevölkerung versorgen und Unruhen abwenden. Im fünften Jahr der POL&IS-Simulation endete das Wochenende mit insgesamt düsteren Aussichten für die kommenden Jahre.

Zusammenfassend war es sehr spannend zu sehen, wie Regionen von Interessen geleitet Verträge abschlossen und die Wirtschaftsspieler politische Sanktionen hin und wieder ignorierten, um die Planzahlen für Ihre Region erfüllen zu können. Manche Regionen spielten mit Doppelstrategie, anderen war die Bündnispflicht oberstes Gebot. Auch der in der Wissenschaft als bandwagoning bezeichnete Prozess des Schutzsuchens kleinerer Regionen bei mächtigen Partnern konnte beobachtet werden. Mit diesen und vielen weiteren Impressionen verließen die insgesamt 31 Teilnehmer am Sonntagnachmittag die POL&IS-Welt, um auf dem Weinfest die Spielzüge Revue passieren zu lassen und mögliche Szenarien weiterer Bündniskoalitionen durchzuspielen.

 

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