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Institut für Politikwissenschaft und Soziologie

POL&IS 2013

Am Wochenende vom 22.11. bis zum 24.11.2013 fand gemeinsam mit dem Reservistenverband die Simulation POL&IS (Politik und Internationale Sicherheit) in den Räumlichkeiten der Universität Würzburg am Wittelsbacherplatz statt. Deutschlandweit einzigartig wurde dafür das an der Universität Erlangen entworfene und im Laufe der Jahre fortentwickelte Planspiel als Bestandteil der Lehre in ein Bachelormodul integriert.

Unter Leitung von Vertretern des Reservistenverbandes, der die Kosten für die Simulation und die Verpflegung der Studierenden trug, und Michael Melcher wurde drei Tage lang die Welt in insgesamt 11 Regionen (Nordamerika, Ozeanien, Europa, Nordafrika etc.) aufgeteilt und diese mit an der Realität orientierten Wirtschafts- und Militärdaten ausgestattet. Für jede Region gab es jeweils einen Regierungsspieler und einen Wirtschaftsspieler, wobei die Regierung ebenfalls für die Planung des Verteidigungshaushalts und den (Nicht)Einsatz von militärischen Mitteln die Verantwortung trug. Die Regierungsspieler gestalteten Innen- und die Außenpolitik, während sich die Wirtschaftsspieler um die ökonomischen Belange ihrer Regionen kümmern mussten. Zwei weitere Spieler besetzten die Positionen der Weltbank und der Weltpresse.

Zwar wird durch diese Simulation der politische, wirtschaftliche und militärische Aufbau der Welt auf vereinfachte Weise dargestellt, allerdings musste dennoch der gesamte Freitagnachmittag in Anspruch genommen werden, um Regeln, Ablauf und Reihenfolge der Spielzüge darlegen zu können. So ist POL&IS in Struktur und Aufbau bei weitem komplexer, als Simulationen mit ebenfalls strategischem Charakter. Deutlich wurde dies besonders bei der Aufstellung eines Haushaltsplanes durch die Regierung in gemeinsamer Absprache mit den Wirtschaftsspielern ihrer Region. Da die PO&LIS-Welt in Regionen aufgeteilt ist, die mit völlig unterschiedlichen ökonomischen und militärischen Voraussetzungen, ebenso wie einem völlig unterschiedlichem, an der Realität orientiertem, Ressourcenreichtum, müssen alle Regionen versuchen, ihre gesetzten Ziele zu erreichen.

Zu Beginn eines jeden Spielzuges wird ein Haushaltsplan erstellt, woraufhin sich die Wirtschaftsspieler zurückziehen und miteinander um Rohstoffe und Industriegüter handeln, um dann in ihrer Region investieren zu können. Während dieser Phase einigen sich Regierungsspieler und Militärspieler auf eine gemeinsame Strategie und treten mit den Vertretern der anderen Regionen in Verhandlungen. Die daraus resultierenden Bündnisse und Verträge werden dann entweder für die anderen Spieler nicht sichtbar hinterlegt, oder allen zugänglich zu den bereits bestehenden Verträgen hinzugefügt.

Die erste Spielphase ist von zahlreichen „Freundschaftsverträgen“ und Bündnissen der einzelnen Regionen geprägt, die durch die wirtschaftlichen Probleme dieser auf die Probe gestellt werden. Grundsätzliche Vorgabe der Simulation ist es, den Bedürfnissen der Bevölkerung nach Nahrung und Industriegütern, nachzukommen, andernfalls bilden sich Gruppen von Aufständischen, die gegen den Besitz und das Militär der entsprechenden Region vorgehen. Vertreten werden diese Aufständischen mit großem Eifer durch die Spielleiter.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten und Ressentiments gegenüber anderen Regionen, führten zu einer fortschreitenden Isolation einzelner Regionen. Von nun an war eine starke Lagerbildung zu beobachten. Am dritten und letzten Spieltag errichte diese Entwicklung ihren Höhepunkt und es kam zu einer militärischen Auseinandersetzung zwischen dem stark isolierten Japan und Arabien bzw. seinen Bündnispartnern Europa und Russland. Hierzu kam es aber erst im letzten Spielzug, bis dahin waren alle beteiligten Spieler weitestgehend an einem friedlichen „Miteinander“ als an einem „Gegeneinander“ interessiert.

Zu einer ähnlichen Einschätzung kamen die Spielleiter Herr Matthias Lucke und Herr Karl Wichmann, die gerade in der Anfangsphase der Simulation jedem Spieler mit Rat und Tat zur Seite standen. Die Holprigkeiten der ersten Spielzüge seien schnell überwunden gewesen und auch die Wirtschaftssituation hätte sich, wäre weitergespielt worden, wieder verbessert.

Zusammenfassend war es sehr spannend zu sehen, wie Regionen von Interessen geleitet, Verträge abschlossen und die Wirtschaftsspieler politische Sanktionen hin und wieder ignorierten, um die Planzahlen für Ihre Region erfüllen zu können. Manche Regionen spielten mit Doppelstrategie, anderen war die Bündnispflicht oberstes Gebot. Auch der in der Wissenschaft als bandwagoning bezeichnete Prozess des Schutzsuchens kleinerer Regionen bei mächtigen Partnern konnte zum Beispiel bei Ozeanien und in etwas abgeschwächter Form bei Indien beobachtet werden. Mit diesen und vielen weiteren Impressionen verließen die Teilnehmer die POL&IS Welt. Diese POL&IS wird im kommenden Semester voraussichtlich wieder ihre „Pforten öffnen“ und somit haben interessierte Studierende die Möglichkeit, Außen- und Sicherheitspolitik selber zu erleben und zu gestalten.

 

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