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Institut für Politikwissenschaft und Soziologie

Mexico´s missing women – lost and forgotten?

Am 11. Januar 2018 hielt Katharina Wagner unter dem Titel „Mexico´s missing women - lost and forgotten?“ einen Vortrag über die geschlechtsspezifischen Auswirkungen des mexikanischen Drogenkrieges.

Mit dem Ausrufen des guerra contra el narcotráfico im Dezember 2006 und dessen Implementierung in zahlreichen Bundesstaaten ab 2007 stiegen nicht nur die Mordraten sowie das Ausmaß der Menschenrechtsverletzungen, sondern auch die Feminizide und desapariciones von Frauen exponentiell an. So haben Frauenmorde zwischen 20006 und 2012 um 138% zugenommen. Täglich werden in Mexiko sieben Frauen ermordet, was dazu geführt hat, dass Mord 2015 die häufigste Todesursache für Frauen zwischen 15 und 29 Jahren war. Eine ähnliche Tendenz verzeichnen die Fälle verschwundener Frauen: während zwischen 1993 und 2003 400 Frauen verschwunden sind, waren es zwischen 2006 und 2012 6.385. Nicht nur in quantitativer Hinsicht besteht eine eindeutige Korrelation zwischen dem Drogenkrieg und der Militarisierung einerseits und den Feminiziden und dem Verschwinden vor allem junger Frauen andererseits, sondern auch in qualitativer Hinsicht. So haben vor allem die Gewaltverbrechen zugenommen, welche mit einer enormen Brutalität und Grausamkeit einhergehen.

Katharina Wagner ging hierbei speziell auf den Bundesstaat Chihuahua sowie Ciudad Juárez ein, da in beiden Fällen die erwähnte Korrelation besonders offensichtlich zutagetritt, jedoch auch deutlich wird, dass Feminizide und das Verschwinden von Frauen historische und strukturelle Wurzeln haben. So wurden diese Gewaltverbrechen bereits in den frühen 1990er Jahren, und damit weit vor Ausbruch des Drogenkrieges registriert. Auf Basis dieses empirischen Befundes näherte sich Katharina Wagner den multifaktoriellen Gründen für das enorme Ausmaß – und vor allem die beispiellose Brutalität dieser Taten – an. Diese haben sowohl strukturelle und politisch-institutionelle als auch konjunkturelle Dimensionen. Das Ausmaß der an Frauen verübten Gewaltverbrechen lediglich auf den Drogenkrieg und die Aktivitäten der organisierten Kriminalität zurückzuführen würde vernachlässigen, dass Gewalt gegen Frauen auf einer tief verankerten Diskriminierung von Frauen sowie den ungleichen Machtbeziehungen zwischen den Geschlechtern basiert und Ausdruck einer Geringschätzung der Frauen und des Hasses gegenüber diesen sind. Vor allem diese Faktoren erklären die Brutalität, mit welcher die Gewalttaten verübt werden. Die strukturell verankerte Geringschätzung der Frauen reflektiert sich wiederum im staatlichen Umgang mit eben diesen Gewaltverbrechen. So erwiesen sich bisherige Präventionsmaßnahmen als völlig unzulänglich. Die Regierungen aller Ebenen zeichnen sich trotz der enormen Zunahme an geschlechtsspezifischen Gewaltverbrechen durch Nachlässigkeit und Unterlassung aus sowie den fehlenden politischen Willen das Thema der Feminizide und desapariciones zu priorisieren.

Die quantitativen und qualitativen Veränderungen dieser Verbrechen sind maßgeblich durch konjunkturelle Faktoren zu erklären und hierbei vor allem durch den aufkommenden Menschenhandel, welcher wiederum auf die Diversifizierung der kriminellen Aktivitäten im Kontext des Drogenkrieges zurückzuführen ist. Menschenhandel, dessen Klientel vor allem die diversen in den Drogenkrieg involvierten Akteure sind, hat sich zu einer lukrativen Einkommensquelle für kriminelle Organisationen entwickelt. Opfer von Menschenhändlern werden vor allem solche Frauen, die für den mexikanischen Staat unsichtbar sind: junge Frauen aus armen Verhältnissen sowie zentralamerikanische Migrantinnen. Da es sich im Fall der Menschenhändlerringe um machtvolle Netzwerke aus Kriminellen, Unternehmern und Politikern handelt bleiben die in diesem Kontext verübten Verbrechen in fast absoluter Straflosigkeit. Diese Straflosigkeit ist einerseits die Folge der Kollusion zwischen der politischen und der kriminellen Sphäre und führt andererseits wiederum zu einer Wiederholung und Zunahme der an Frauen verübten Gewaltverbrechen, da der Staat signalisiert, dass diese weder verhindert noch bestraft werden. Straflosigkeit ist ein hoch komplexes und multifaktorielles Phänomen, welches einerseits dadurch bedingt ist, dass zahlreiche der Verbrechen aus Angst vor Repression oder Misstrauen in die zuständigen Behörden nicht angezeigt werden, vor allem aber dadurch, dass die Opfer sowie deren Familien seitens staatlicher Instanzen kriminalisiert und reviktimisiert werden. Die Mehrheit der Feminizide und desapariciones werden nicht als solche registriert und untersucht. Falls es zu Untersuchungen kommt, zeichnen sich diese durch Ineffizienz aus. Noch seltener kommt es zu Strafverfahren und so gut wie nie zu einer Verurteilung.  

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