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Intern
Institut für Politikwissenschaft und Soziologie

Feministische Kritik als soziale Praxis. Ein Beitrag zur Gendergerechtigkeit

Am 13.07.2022 haben die Studentinnen Anna Klassen, Selina Prümm und Leena Braun aus dem Master Political and Social Science am Institut für Politikwissenschaft und Soziologie (Julius-Maximilians-Universität Würzburg) im Rahmen des AK Gender ihre Master-Forschungsprojekte zum Thema „Feministische Kritik als soziale Praxis. Ein Beitrag zur Gendergerechtigkeit“ vorgestellt.

Die Vortragenden führten zunächst in den Begriff Gendergerechtigkeit ein, welcher die soziale Gerechtigkeit zwischen unterschiedlichen Gender-Kategorien meint. Gender bezieht sich dabei auf das soziale Geschlecht und bildet eine der Grundlagen für die individuelle Identitätskonstruktion.

Anna Klassen stellte ihr Forschungsprojekt mit dem Titel „Kontext der Gendergerechtigkeit im Konflikt zum Antifeminismus“ vor. Sie führte Expert*inneninterviews mit Personen, die sich professionell, zum Beispiel über (soziale) Medien mit Gendergerechtigkeit befassen. Die Expert*innen zeigen auf, dass Gendergerechtigkeit eine Herausforderung ist, da das Geschlecht die eigene Identität maßgeblich prägt und sich Menschen, besonders mit traditionellem Geschlechterverständnis (binäres Geschlechterverständnis mit weiblich und männlich als einzigen Ausprägungen), sich angegriffen oder bedroht fühlen, wenn Ihre Vorstellung von Geschlechteridentität hinterfragt wird. In der Politik wird durch antifeministische Narrative das Bedrohungsgefühl aufgegriffen und der Feminismus als Feindbild benutzt, um die eigenen politischen Ziele zu verfolgen.

Selina Prümm stellte ihr Forschungsprojekt zum Thema Catcalling vor. Catcalling ist eine Form des ‚street harassment‘, von dem besonders Frauen betroffen sind, indem ihnen auf der Straße anzüglich und/oder bedrohlich hinterhergerufen wird sowie ihnen gegenüber entsprechende Aussagen, Gestiken und Mimiken  gemacht werden. Catcalling ist dabei nur für Betroffene oder bestimmte Gruppen sichtbar und wird ansonsten häufig banalisiert. Daher ist es wichtig Catcalling auch gesellschaftlich sichtbar und so auf die Problematik aufmerksam zu machen und Unterstützung für Betroffene zu generieren. Selina Prümm untersuchte mehrere Projekte, die sich gegen Catcalling engagieren. Das Projekt #catcallsofwue ist ein Social-Media-Projekt, welches einen eigenen Hashtag für jede Stadt hat und Catcalling-Beispiel und Aktivitäten veröffentlicht. In einem weiteren Projekt werden Catcalls im öffentlichen Raum angekreidet. Des Weiteren interviewte Selina Prümm auch die Initiatorin der Petition gegen Catcalling bzw. dafür, dass Catcalling zu einem Straftatbestand erklärt wird und berücksichtigte in Ihrem Forschungsprojekt Workshops, die über Catcalling aufklären und Unterstützung für Betroffene bieten. Alle Projekte zielen darauf ab, ein Bewusstsein für Catcalling in der breiten gesellschaftlichen Bevölkerung zu schaffen und Betroffenen eine Stimme zu geben.

Leena Braun stellte ihr Forschungsprojekt mit dem Titel „Genderungerechtigkeit in der Katholischen Kirche“ vor, für das sie vor allem Personen interviewt hat, die sich unter der Aktion Maria 2.0 für mehr Gendergerechtigkeit in der katholischen Kirche engagieren. In den narrativen Interviews ging es darum zu analysieren, wie Ungerechtigkeit – z.B., dass Frauen keine Ämter in der katholischen Kirche besetzen dürfen – wahrgenommen und empfunden wird. In den Interviews wurden vier inhaltliche Aspekte/ Problematiken deutlich. Erstens wurde ein Vergleich mit der gesellschaftlichen Entwicklung gezogen. Das heißt die Strukturen der katholischen Kirche entsprechen nicht mehr den aktuellen und zeitgemäßen gesellschaftlichen Strukturen, wenn es um Gendergerechtigkeit geht. Zweitens berufen sich die Befragten auf universelle Normen, wie bspw. die Grundgesetze und biblische Grundlagen, nach denen Frauen und Männer gleichgestellt sind, und zeigen auf, dass die Strukturen der katholischen Kirche nicht mehr mit diesen konform sind. Drittens wird auf die Exklusion von Frauen zum Beispiel in Bezug auf die Verwehrung der Weihe, hingewiesen. Und viertens wird die Enthaltung der Ressource Macht angesprochen. So haben Frauen z.B. durch die Verwehrung von Ämtern und Geldern keine Möglichkeit die kirchlichen Strukturen zu mitzugestalten oder sich an Entscheidungsprozessen zu beteiligen.

Anna Klassen, Selina Prümm und Leena Braun stellten heraus, dass Lösungsstrategien für mehr Gendergerechtigkeit vor allem in der öffentlichen Sichtbarmachung der Probleme, in der Solidarisierung mit Betroffenen oder Aktivist*innen und in der Kommunikation über unterschiedliche Problematiken der Gendergerechtigkeit liegen.

Wir danken Anna Klassen, Selina Prümm und Leena Braun für die spannenden Einblicke in ihre Master-Forschungsprojekte sowie die angeregte und kritische Diskussion.