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Institut für Politikwissenschaft und Soziologie

Von Hosenanzügen und Hate Speech – Perspektiven auf Geschlecht und Kommunalpolitik

Im neuen Jahr 2022 setzt der AK Gender seine Vortragsreihe zu „Gender und Politik“ im Wintersemester 2021/22 fort. Am 19.01.2022 hielt Mina Mittertrainer (Hochschule für angewandte Wissenschaften Landshut, Fakultät Soziale Arbeit, Institut Sozialer Wandel und Inklusionsforschung) einen Vortrag mit dem Titel „Von Hosenanzügen und Hate Speech – Perspektiven auf Geschlecht und Kommunalpolitik“.

Repräsentationslücken von Frauen sind auf allen politischen Ebenen in der Bundesrepublik Deutschland zu beobachten: der Frauenanteil beträgt auf Bundesebene 35% und auf Landesebene (Bayern) 27%. Der Frauenanteil auf kommunaler Ebene beträgt bei Landrätinnen 10%, unter Bürgermeisterinnen 9% und unter Stadt-/Kreise-/Gemeinderätinnen durchschnittlich 28%.

Zur spezifischen Analyse dieses Demokratiedefizits stellte Mina Mittertrainer die Ergebnisse des Forschungsprojektes „Frida – Frauen in die Kommunalpolitik“ vor (Bayerischer Forschungsverbund “ForDemocracy“), welches Geschlechterparität in der Politik mit Fokus auf Kommunalpolitik in ländlichen Räumen untersucht. Dabei widmet sich das Projekt dem Problem der geringen Repräsentation von Frauen in politischen Gremien und Ämtern auf kommunaler Ebene in Bayern, untersucht die Ursachen geschlechtsspezifischer Partizipation und erarbeitet Empfehlungen, welche eine Erhöhung des Anteils junger Frauen für kommunalpolitisches Engagement versprechen.

Als Barrieren der Partizipation von Frauen identifizieren die Forscherinnen Rollenbilder (z.B. geschlechtsspezifische Erwartungen an Verhalten und Leistung, wahrgenommene Inkompatibilität von Weiblichkeit und Politik), Vereinbarkeit(z.B. traditionelle Arbeitsteilung in der deutschen Gesellschaft), politische Strukturen (z.B. Wahlsystem oder informelle Ausschlüsse, mangelnde Förderung weiblichen Nachwuchses) und intersektionale Faktoren (Bildungsgrad und Milieu, Sozialraum/räumliche Faktoren, Migrationshintergrund).

Ansatzpunkte um vorhandene Partizipationsbarrieren abzubauen und Geschlechterparität auf kommunaler Ebene herzustellen, sind grundlegend als Kombination von strukturellen und individuellen Maßnahmen konzipiert. Dies betrifft etwa eine Veränderung der Diskussionsstile und Atmosphäre durch quotierte Redelisten, Mentoring Programme und informelle Netzwerke. Des Weiteren können niedrigschwellige, themenbezogene Angebote sowie eine direkte Ermutigung der häufig bereits partizipierenden Frauen („Politik über Bande“) den Frauenanteil in der Politik erhöhen.

Der AK Gender dankt Mina Mittertrainer für die spannende Präsentation und anschließende Diskussion und allen Teilnehmer*innen für das Interesse.

Weitere Informationen und Blog zum Projekt: