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Institute of Political Science and Sociology

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Die Ausgangslage zur Integration von Geflüchteten in Deutschland nach Geschlecht

Am 26.06.2019 hat der AK Gender zum Thema „Gender und Flucht“ eingeladen. Andreea Baier, Absolventin des IPS und wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, stellte deskriptive Ergebnisse der Ausgangslage zur Integration von Geflüchteten in Deutschland nach Geschlecht vor.

Zunächst erläuterte Andreea Baier den Unterschied zwischen Migrant*innen und Geflüchteten: während der Begriff der „Migrant*in“ als Oberbegriff für alle Migrationsformen verwendet wird, so auch Arbeitsmigration, meint „Geflüchtete“ Personen, die aus Nicht-EU-Staaten fliehen. Zur Differenzierung werden die Kriterien der Dauer (dauerhafte vs. temporäre Zuwanderung) und der Grad der Freiwilligkeit (freiwillige vs. erzwungene Wanderung) verwendet. Geflüchtete sind als vulnerable Gruppe mit einer ungünstigen Ausgangslage, etwa hinsichtlich Gesundheit, Wohnsituation und Familiensituation, zu bezeichnen.

Anhand einer Längsschnitt-Befragung von Personen, die zwischen 2013 und 2016 einen Asylantrag in Deutschland gestellt haben, illustrierte Andreea Baier deskriptive Ergebnisse und Unterschiede zwischen geflüchteten Männern und Frauen. Während Männer mit 74,3 % und einem durchschnittlichen Alter von 29 Jahren überwiegen, sind Frauen mit 25,7 % und durchschnittlich 34 Jahren die kleinere Gruppe Geflüchteter. Allerdings zeigt eine Aufschlüsselung nach Altersgruppen, dass sich die Unterschiede ab 55 Jahren und älter angleichen.

Deutlich wurden Unterschiede auch hinsichtlich der kürzen Bildungsbiografien von Frauen und einem allgemeinen Gender-Gap bei Investitionen in Bildung. Die Analyse negativer Fluchterfahrungen offenbart ebenfalls divergierende Risiken für Männer und Frauen auf der Flucht mit entsprechenden gesundheitlichen Folgen. 66 % der befragten Frauen gaben an, sexueller Belästigung auf der Flucht ausgesetzt gewesen zu sein, während die Fluchterfahrungen von Männern primär durch Gefängnisaufenthalte und körperliche Übergriffe (jeweils zu 85 %) gekennzeichnet sind.

Allgemein weisen geflüchtete Frauen ein schlechteres körperliches und psychisches Wohlbefinden als Männer auf, das Risiko, einer Posttraumatischen Belastungsstörung liegt bei Frauen nicht nur klar höher, sondern kommt auch früher zum Tragen, was eine stärkere und zeitlich frühere Vulnerabilität geflüchteter Frauen verdeutlicht.

Sprachkenntnisse, die Andreea Baier als Schlüssel zur gelungener Integration bezeichnete, zeigen ebenfalls geschlechtsspezifisch Unterschiede: Männer weisen einen deutlich stärkeren Zuwachs deutscher Sprachkenntnisse auf als Frauen, was auf die Bildungsstruktur und die Verteilung von Rollen innerhalb der Familie, etwa hinsichtlich der Kinderbetreuung, zurück zu führen sei.

Der AK Gender dankt Andreea Baier für den informativen und spannenden Vortrag und allen Teilnehmer*innen für das Interesse und die Diskussionsbeiträge.