Vier Calls for Papers für geplante Panel auf dem DVPW-Kongress 2027 in Leipzig
16.09.2026Das Team des IPS und seine Kooperationspartner*innen haben vier Calls for Papers für geplante Panel auf dem 30. DVPW-Kongress veröffentlicht, der vom 7.-10.September 2027 an der Universität Leipzig stattfinden wird.
Für den DVPW-Kongress im September 2027 hat der Programmbeirat insgesamt 80 Vorschläge für offene Panels angenommen. Für diese offenen Panels erfolgt nun die Ausschreibung von Beiträgen. Bitte reichen Sie Ihren Vorschlag für einen Beitrag bis zum 31. Oktober 2026 über das Portal meineDVPW ein. Sie finden alle Panel-Beschreibungen der Panel-Chairs auch auf der DVPW-Webseite.
Panel 965 | Authoritarian Narratives in Motion: Democratic Regression in a Changing World Order
Panel-Chair: Prof. Dr. Sonja Grimm, Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Institut für Politikwissenschaft und Soziologie
The contemporary crisis of democracy unfolds against a changing world order marked by geopolitical realignments, intensified great-power competition, and the contestation of the liberal international order. In this context, authoritarian narratives and practices increasingly travel across borders, creating transnational repertoires of democratic erosion. Rather than treating democratic erosion as isolated domestic developments, this panel conceptualizes autocratization as a process embedded in global transformations, where shifting power constellations create new opportunities for authoritarian diffusion and legitimation.
We ask how authoritarian narratives gain traction across political, cultural, and historical contexts and become intertwined with competing visions of international order, sovereignty, security, and national identity? Through which channels do illiberal ideas, institutional strategies, and practices of executive aggrandizement circulate? And how are they adapted to local settings, and how do global crises—including war, economic insecurity, migration, and technological change—reinforce their appeal?
The panel explores the mechanisms through which authoritarian ideas and practices travel across space and time. Contributions may examine transnational networks, policy diffusion, digital media ecosystems, constitutional engineering, geopolitical alliances, historical legacies, or the international circulation of surveillance technologies and other instruments of authoritarian governance. By situating democratic regression within the broader transformation of the international order, the panel seeks to illuminate the mutually reinforcing dynamics between global power shifts and domestic democratic decline.
Panel 973 | India in a World in Flux: Foreign Policy, Contested Global Order, and Domestic Transformation
Panel-Chairs: Dr. Philipp Gieg, Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Institut für Politikwissenschaft und Soziologie, und Dr. Timo Lowinger, Bayerische Wissenschaftsallianz für Friedens-, Konflikt- und Sicherheitsfoschung (FoKS)
India’s international positioning offers a particularly revealing lens on a world in flux and on an International Relations discipline whose familiar categories are themselves under pressure. New Delhi combines strategic autonomy and multi-alignment with growing leadership claims in the Global South, while operating across rival security partnerships, contested multilateral institutions, and competing visions of international order.
This panel invites theoretically informed and empirically grounded papers on India’s foreign policy and its broader implications for the study of power, order, and normative change. Possible contributions may examine India’s engagement with multilateralism, security, development, climate governance, democracy, South-South cooperation, or relations with China, Russia, the United States, Europe, and its regional neighborhood.
A particular focus is the domestic-international nexus. The return of coalition politics after the 2024 general election, together with continuing debates over democratic institutions, Hindu majoritarianism, federalism, social inequality, and economic transformation, raises questions about how domestic contestation shapes foreign policy priorities, narratives, and practices – and how claims to global status feed back into domestic legitimacy. We therefore especially welcome papers that analyze links between domestic factors, state-society relations, public opinion, or subnational actors and India’s external conduct.
By placing India at the intersection of domestic change and global realignment, the panel aims both to illuminate a pivotal case and to ask whether established approaches in International Relations adequately capture the political dynamics of a changing world.
Panel 1064 | Science-Policy-Interfaces im Umbruch? Der Zusammenhang von Wissenschaftsskepsis sowie -feindlichkeit und evidenzbasierter Politik
Panel-Chairs: Zeigermann, Ulrike, Prof. Dr., Julius-Maximilians-Universität Würzburg, ulrike.zeigermann@uni-wuerzburg.de; Böcher, Michael, Prof. Dr., Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Institut II – Gesellschaftswissenschaften, michael.boecher@ovgu.de; Mohamad-Klotzbach, Christoph, Dr., Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Institut für Politikwissenschaft und Soziologie, christoph.mohamad-klotzbach@uni-wuerzburg.de
Eine der grundlegenden Prämissen moderner Gesellschaften beinhaltet, dass politische Entscheidungen evidenzbasiert getroffen werden sollten, um gesellschaftliche Herausforderungen sinnvoll anzugehen und damit den Fortbestand von Gesellschaften zu sichern. Dies gilt für alle Politikfelder, wie z.B. Umwelt- und Klimapolitik, Gesundheitspolitik oder Verkehrspolitik. Gleichzeitig ist klar, dass politische Entscheidungen aber auch immer wertebasiert und aufgrund limitierter Ressourcen, aber auch fehlender Informationen auch oftmals ohne Orientierung an Wissen erfolgen.
Politisches Handeln ist somit häufig nicht rational und evidenzbasiert. Gleichzeitig sind zunehmend in politischen Institutionen, wie Parlamenten und Regierungen politische Akteure vertreten, die die Bedeutung wissenschaftlicher Erkenntnis und Expertise (öffentlich) infrage stellen und damit auch das Vertrauen in die Wissenschaft erschüttern. Die Forschung der letzten Jahre zum Zusammenhang von Populismus und Wissenschaft liefert hier wichtige Impulse (u.a. Eslen-Ziya/Giorgi 2022; Zapp 2022). Dies wirft die Frage auf, wie zukünftig im Kontext von Science-Policy-Interfaces, d.h. der Schnittstelle zwischen Forschung und politischem Handeln, wissensinformierte Entscheidungen möglich sind.
Folgende Fragekomplexe lassen sich in diesem Zusammenhang erörtern:
- In welchen Politikfeldern stehen Science-Policy-Interfaces unter Druck? Und wie wird mit diesem Druck umgegangen? Wie unterscheiden sich Science-Policy-Interfaces in unterschiedlichen Politikeldern?
- Auf welchen politischen Ebenen (lokal, national, europäisch, global) sind Science-Policy-Interfaces vor Herausforderungen gestellt?
- Sind Erweiterungen der Science-Policy-Interfaces um Sphären der Praxis und Zivilgesellschaft (Science-Policy-Practice-Interfaces) oder die stärkere Hinwendung zur Gesellschaft als Ganzes (Science-Society-Interfaces) eine mögliche Strategie?
- Gibt es Veränderungen im Hinblick darauf, welches Wissen aus Sicht der Politik besonders gefördert wird, d.h. wird Wissenschaft durch zunehmende Veränderung von staatlichen und europäischen Förderstrategien in ihrer Freiheit eingeschränkt?
- Gibt es Erkenntnisse darüber, wie sich Mitglieder populistischer Parteien in kleineren, der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Runden, im Hinblick auf wissenschaftliche Erkenntnisse verhalten? Ist die Ablehnung dieser Erkenntnisse ein öffentlich-inszeniertes Spiel, oder findet die Delegitimierung wissenschaftlicher Erkenntnisse auch in diesen Kontexten statt?
Diese und weitere Fragen zum Themenkomplex der Science-Policy-Interfaces sollen in diesem offenen Panel diskutiert werden. Einreichungen sind sowohl auf Deutscher als auch auf Englischer Sprache möglich. Frauen und Wissenschaftler*innen in der Qualifikationsphase sind explizit zur Einreichung aufgefordert.
Literatur:
- Eslen–Ziya, Hande, und Alberta Giorgi (Hrsg.). 2022. Populism and Science in Europe. Cham: Springer International.
- Head, Brian W. 2016. Toward More “Evidence-Informed” Policy Making? Public Administration Review 76:472–484. doi.org/10.1111/puar.12475.
- Zapp, Mike. 2022. The legitimacy of science and the populist backlash: Cross-national and longitudinal trends and determinants of attitudes toward science. Public Understanding of Science 31:885–902. doi.org/10.1177/09636625221093897.
Panel 1065 | Demokratieverständnisse im Wandel: Theoretische und empirische Perspektiven
Panel-Chairs: Mohamad-Klotzbach, Christoph, Dr., Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Institut für Politikwissenschaft und Soziologie, christoph.mohamad-klotzbach@uni-wuerzburg.de; Osterberg-Kaufmann, Norma, Dr., Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Sozialwissenschaften, norma.osterberg-kaufmann@hu-berlin.de
Der Druck auf Demokratien weltweit lässt nicht nach. Die Folgen zeigen sich nicht nur im empirisch zu beobachtenden democratic backsliding, sondern auch in demokratischen Innovationen, in der Auseinandersetzung mit Paradigmen der Demokratieforschung und mit diesen einhergehenden Suchbewegungen in der Auseinandersetzung mit Demokratiekonzeptionen sowie schließlich auch im Demokratieverständnis der Bürger*innen selbst.
Um zu verstehen, welche potenziellen Pfade die Demokratien in Zukunft nehmen könnten, kommt der Erforschung von Demokratieverständnissen ein besonderes Potential zu. Denn vor dem Hintergrund der in der Bevölkerung verbreiteten Demokratieverständnisse werden die gegenwärtigen Demokratien sowie ihre Institutionen und Akteur evaluiert.
Dieses Panel möchte Raum geben sich mit der Frage nach dem Wandel von Demokratieverständnissen zu beschäftigen und was sich daraus für die politische Realität ableiten lässt. Diese breit gestellte Leitfrage soll dazu einladen, sowohl theoretische als auch empirische Fragen zu diskutieren. Folgende Themen sind u.a. relevant:
- Entwicklungen von etablierten Demokratieverständnissen (z.B. liberale oder soziale Demokratie) im Zeitverlauf in Bevölkerungen, in Parteien und der Zivilgesellschaft sowie in der Politikwissenschaft selbst;
- Entstehung von neuen Demokratieverständnissen und ihrer Charakteristika;
- Messung von Demokratieverständnissen mittels qualitativer/quantitativer Zugänge, auch unter Einbezug von neuen Verfahren wie LLMs;
- Entwicklung von Demokratieverständnissen in lokaler, nationaler, regionaler und globaler Perspektive sowie in demokratischen, autokratischen und hybriden Regimen;
- Demokratieverständnisse in unterschiedlichen gesellschaftlichen Sphären (z.B. Berufsgruppen, Gewerkschaften, Verbände, migrantischen Communities, Bildungsinstitutionen, sozialen Klassen, politischen Lagern);
- Ursachen für und Folgen von Veränderungen von Demokratieverständnissen.
