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Institut für Politikwissenschaft und Soziologie

Impulsvorträge von Prof. Dr. Andreas Klee und Natalie Nikolaus zum Thema „Lokale Raum- und Umweltplanung“

10.06.2026

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe des Forum Nachhaltigkeit fand am 10. Juni 2026 die Auftaktveranstaltung für das Sommersemester 2026 zum Oberthema "Lokale Nachhaltigkeitspolitik" statt. Nach einer kurzen Einführung durch Gina-Sophia Krug referierten Prof. Dr. Andreas Klee (Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft, JMU) und Natalie Nikolaus (JMU) zum Thema „Lokale Raum- und Umweltplanung“.  

Prof. Dr. Andreas Klee  eröffnete die Vortragsrunde mit einem Beitrag zur Stadtplanung im Kontext nachhaltiger Entwicklung. Er zeigte auf, dass Herausforderungen wie Klimaschutz, Flächenverbrauch oder die Schaffung von Wohnraum häufig im Widerspruch zueinanderstehen können. Nachhaltige Entwicklung als planerische Leitvorstellung sei zudem nur schwer zu operationalisieren; insbesondere das schwache Nachhaltigkeitskonzept, das die drei Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales gleichberechtigt behandelt, erschwere die Planung. Zentral sei dabei die gerechte Abwägung öffentlicher und privater Belange. Am Beispiel der städtebaulichen Innenentwicklung – nach dem Prinzip „Innen- vor Außenentwicklung“ – verwies er auf bestehende Konfliktpotentiale, aber auch auf Lösungswege wie die doppelte Innenentwicklung oder die 15-Minuten-Stadt sowie die Unerlässlichkeit von Bürger*innenbeteiligung. Abschließend betonte Klee, dass das städtebauliche Instrumentarium nur bedingt geeignet sei, um insbesondere klimatischen und ökologischen Herausforderungen zu begegnen, da u.a. die Unverbindlichkeit von Zielen wie dem Flächensparziel kaum Druck auf Kommunen erzeuge und andere Interessen und Herausforderungen wie die Wohnraumknappheit die Abwägung der Belange zunehmend dominiere. 


Natalie Nikolaus fokussierte in ihrem Impuls eine lebensphasenorientierte Raum- und Umweltplanung zur nachhaltigen Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Studium. Ausgehend von einem Familienbegriff, der u.a. neben der Kindererziehung auch die Pflege einschließt, und den sieben Phasen der Familienentwicklung nach Textor thematisierte sie die unterschiedlichen Vereinbarkeitsbedarfe von Familie und Beruf bzw. Studium wie etwa zeitliche, finanzielle und psychische Belastungen. Als Erleichterungsmöglichkeiten nannte sie u.a. flexible Arbeitszeiten, verlässliche Kinderbetreuung und Homeoffice-Möglichkeiten seitens der Betriebe sowie unterstützende Pflegeangebote. Auch sie verwies darauf, dass innerhalb der drei Dimensionen von Nachhaltigkeit eine gleichberechtigte Betrachtung nicht immer möglich sei. Als vereinbarkeitsunterstützende Maßnahmen führte sie zudem die Reduzierung des Gender-Care-Gaps, nahe und gut erreichbare Arbeitswege, Betreuungsorte und Beratungsstellen sowie die wirtschaftliche Förderung von Frauen an. Konkret verwies sie auf die 15-Minuten-Stadt, nachhaltiges Bauen, eine soziale Infrastruktur wie Nachbarschaftszentren sowie den Ausbau öffentlicher Räume, um inklusive, frei zugängliche und gut erreichbare Orte der sozialen Begegnung und Erholung zu schaffen. Kommunen komme bei der Umsetzung eine wichtige Rolle zu. Abschließend betonte sie, dass auch das Umland mitgedacht und die damit verbundene Komplexität berücksichtigt werden müsse. 
Im Anschluss an die beiden Impulsvorträge fand gemeinsam mit den Zuhörenden eine angeregte Diskussionsrunde statt. 
 

Die Veranstaltung war für die GSiK Zertifikate ("Interkulturelle Kompetenz" im Bereich C sowie "Nachhaltigkeit und globale Verantwortung") anrechenbar.

Die Veranstaltungsreihe wird unter anderem in interdisziplinärer Zusammenarbeit der Professur für Sozialwissenschaftliche Nachhaltigkeitsforschung mit dem Lehrbereich der Politischen Theorie, dem Lehrstuhl für Internationale Beziehungen und Europaforschung, der Professur für Öffentliches Recht und Wirtschaftsvölkerrecht, dem Lehrstuhl für Humangeographie und dem WueLAB umgesetzt.
 

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