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Institut für Politikwissenschaft und Soziologie

Programm im Sommersemester 2024: Konflikte und Nachhaltigkeit

Konflikte um die normativen Zielsetzungen Klimaschutz und Nachhaltigkeit nehmen zu und werden zu einer neuen gesellschaftlichen Normalität. Es liegt auf der Hand, dass Nachhaltigkeitstransformationen das Risiko einer Verschärfung sozialer Ungleichheiten und gesellschaftlicher Konflikte bergen, aber auch die Chance, diese zu verringern. Risiken für zunehmende Konflikte und Chancen zur Lösung dieser bestehen auf der kommunalen bis hin zur internationalen Ebene, sowohl im Globalen Norden als auch im Globalen Süden.

Die Beziehung zwischen Nachhaltigkeitstransformationen und Konflikten sind nicht nur ein zentraler Bereich für weitere (interdisziplinäre) sozialwissenschaftliche Nachhaltigkeitsforschung, sondern auch ein wichtiges Thema zur transdisziplinären Auseinandersetzung im Rahmen des Forum Nachhaltigkeit am Institut für Politikwissenschaft und Soziologie. 

Folgende Veranstaltungen finden im Sommersemester 2024 statt:
 

Forschungskolloquium

Werkstattgespräch „Protest und Widerstand“ – Einblicke in Masterforschungsprojekte von und für Studierende
24.04.2024 · 14:00 Uhr 

Die folgenden Projekte wurden vorgestellt:

  • Gruppe Sozialwissenschaftliche Nachhaltigkeitsforschung:
    Protest als Katalysator für Transformation? Der Einfluss von Protest auf sozial-ökologische Transformationsbereiche im Regionalzentrum Würzburg
     
  • Gruppe Internationale Beziehungen & Europaforschung:
    Zwischen Erdölreserven und Emissionszielen: Der Widerstand ölexportierender Staaten gegen das 1,5°C-Ziel
     
  • Gruppe Allgemeine Soziologie:
    Rechter Widerstand gegen eine liberale Hegemonie? Eine hegemonietheoretische Betrachtung der Gegenwart.
     

Vortrag – Kooperation mit dem AK Gender

Ulrike Röhr: Klima – Macht – Geschlecht. Der Beitrag von Geschlechtergerechtigkeit für eine transformative Klimapolitik
15.05.2024 · 18-20 Uhr · Zoom

Die Genderperspektive auf Klimawandel und Klimaschutz hat seit einigen Jahren deutlich an Aufmerksamkeit gewonnen. Studien zeigen, dass geschlechtergerechte Gesellschaften einen geringen Carbon Footprint haben. Was sind die Ursachen dafür, was wissen wir über die Genderaspekte des Klimawandels und warum ist es so wichtig, auch in Deutschland die klimapolitischen Programme und Maßnahmen entsprechend zu gestalten? Diesen Fragen wollen wir nachgehen und diskutieren, wie Klimapolitik geschlechtergerecht gestaltet und die sozial-ökologische Transformation vorangetrieben werden kann.

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Forschungskolloquium

26.06.2024 · 14-16 Uhr · Raum 03.103 Wittelsbacherplatz

  • Philipp Gieg und Ulrike Zeigermann – Supranationalizing Environmental Justice within the European Union: Contesting the Contestation?
  • Iris Reus – Konflikte und Herausforderungen bei der Datenerhebung und -analyse in der lokalen Klimapolitikforschung 
     

Keynote-Vorträge

Im Rahmen der Tagung der Nachwuchsgruppe Umweltsoziologie in Würzburg zum Thema „Umkämpftes Nachhaltigkeitswissen“ wird es zwei Keynote-Vorträge zu den folgenden Titeln geben:
 

Keynote 1: Planetares Denken & Nachhaltigkeitswissen: Transdisziplinäre Forschung, Lehre und Transfer-Aktivitäten am Panel on Planetary Thinking
05.07.2024 ·  11-12 Uhr · Forum Wittelsbacherplatz
Liza Bauer 

Der reformistische Ansatz des Nachhaltigkeitsparadigma hat sich realweltlich als nicht hinreichend wirkungsvoll erwiesen. So dient der Begriff „Nachhaltigkeit“ heutzutage oftmals eher dem Greenwashing großer Konzerne als dem Erhalt eines langfristig bewohnbaren Planeten und der seit den 1970ern bekannte Klimawandel schreitet stets weiter voran. Auf der Suche nach produktiven Gegenentwürfen zu diesem festgefahrenen Status Quo und den destruktiven, fossil-autoritären Kräften unserer Zeit wächst am Panel on Planetary Thinking der Justus-Liebig-Universität Gießen seit 2020 eine Keimzelle für eine Forschung zu integrativen Denk- und Handlungsweisen, die ein umfassenderes Verständnis der conditio humana als Teil der conditio planetae vorantreibt. Im Kern steht dabei der planetare Denkstil. Planetar zu denken, erfordert in allen Belangen ernst zu nehmen, was es bedeutet, dass Menschen nicht nur auf einem Planeten leben, sondern vielmehr Teile eines sich stets wandelnden Planeten sind. Der Vortrag veranschaulicht, welche Schlüsse sich aus dieser Einsicht für die Ansprüche und Vermittlung transformativen Nachhaltigkeitswissens ziehen lassen; beispielsweise werden anthropozentrische Konzepte wie „Ökosystemdienstleistungen“ produktiv herausgefordert. Einblicke in die unterschiedlichen Forschungs-, Lehr-, und Transfer-Aktivitäten am Panel on Planetary Thinking zeigen, wie im transdisziplinären Dialog Wissen über Planet-Mensch Beziehungen und planetare Bewohnbarkeitsbedingungen hergestellt und auf dieser Basis Handlungsanregungen identifiziert und kommuniziert werden können.

Liza B. Bauer ist als stellvertretende wissenschaftliche Geschäftsführerin des Panel on Planetary Thinking tätig - ein forschungsorientierter Think Tank, der ganzheitliche Perspektiven in nachhaltigkeitsbezogener Strategiebildung, Forschung und Lehre an der Justus-Liebig-Universität Gießen und darüber hinaus vorantreibt.
 

Keynote 2: Das gute Leben für alle - Welches Wissen brauchen wir?
06.07.2024 · 15:30-16:30 Uhr · Forum Wittelsbacherplatz 
Indigo Drau

Welches Wissen brauchen wir, um nicht unsere Lebensgrundlage zu zerstören, und trotzdem gut leben zu können? In einer global arbeitsteiligen Gesellschaft ist es absurd, dieses Wissen auf vereinzelte Praktiken eines nachhaltigen Umgangs mit Ressourcen zu beschränken. Vielmehr stehen wir als Menschheit vor der Aufgabe, das Wissen zu entwickeln, das es braucht, um diese Arbeitsteiligkeit nicht mehr dem Zweck der Profitmaximierung unterzuordnen, sondern dem Zweck einer sorgenden Beziehung zu unserer Umwelt und zueinander.

Indigo Drau ist Klimaaktivistin. Im Hambacher Forst und in Lützerath organisierte sie Widerstand gegen das fossile Kapital und baute die Klimabewegung mit auf. Sie ist Co-Host des Podcasts „Geschichte der kommenden Welten“. 2024 veröffentlichte sie zusammen mit Jonna Klick „Alles für alle. Revolution als Commonisierung.“ im Schmetterling Verlag.