English Intern
Institut für Politikwissenschaft und Soziologie

Vortrag von Dr. Matthias Gsänger, Philipp Kessler und Levi Rhomberg zum Thema „Das Potential von Bürger*innenräten: Welche Rolle können sie in unserem politischen System spielen?“

25.11.2025

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe des Forum Nachhaltigkeit fand am 25. November 2025 die Auftaktveranstaltung für das Wintersemester 2025/26 zum Oberthema "Nachhaltigkeitspolitik in der Defensive?!" statt. Nach einer kurzen Einführung durch Dr. Matthias Gsänger referierte er zusammen mit Philipp Kessler und Levi Rhomberg (alle JMU) zum Thema „Das Potential von Bürger*innenräten: Welche Rolle können sie in unserem politischen System spielen?“.

Levi Rhomberg eröffnete die Vortragsrunde mit einem Impuls zum Würzburger Zukunftsrat „Gerechte Mobilität“. Der erste Würzburger Bürger*innenrat war zugleich ein Transformations- und Forschungsexperiment: Eine zufällig ausgewählte Gruppe von Bürger*innen nahm freiwillig an drei Sitzungen im Sommer 2025 teil und erarbeitete 15 Handlungsempfehlungen, die anschließend dem Stadtrat übergeben wurden. Das Forum setzte auf direkte und interaktive Beteiligung der Teilnehmenden, die Bereitstellung von Information u.a. durch zwei Mobilitätsexperten sowie eine begleitende wissenschaftliche Dokumentation. Die Resonanz fiel überwiegend positiv aus – sowohl Teilnehmende als auch die politische Akteur*innen sahen in dem Verfahren einen Mehrwert. Offene Fragen bestehen jedoch weiterhin hinsichtlich der wirksamen Umsetzung der Handlungsempfehlungen, der Finanzierung und Fortführung solcher Formate.

In seinem anschließenden Impulsvortrag bettete Dr. Matthias Gsänger deliberative Systeme wie Bürger*innenräte demokratietheoretisch ein. Dieser Ansatz versteht politische Entscheidungsfindung und Konfliktlösung u.a. als dialogbasierten, argumentativen Prozess, der jedoch nicht zwingend konsensorientiert oder partizipationsfördernd ausgerichtet sein muss. Anhand internationaler Beispiele wie dem irischen Citizens‘ Assembly oder lokaler Initiativen wie dem „Ökodorf“ Altershausen zeigte er sowohl Chancen als auch Grenzen solcher Formate auf. Zentrale Potenziale liegen in der demokratischen Legitimation sowie in der Aktivierung und Stärkung der Zivilgesellschaft. Gleichzeitig bleiben u.a. Fragen der praktischen Umsetzung, zur Themeneingrenzung und zur institutionellen Verankerung weiterhin offen. 

Philipp Kessler schloss die Vortragsrunde mit einem vertiefenden Impuls zu den Potenzialen und Herausforderungen von Bürger*innenräten ab. Als ein Potenzial hob er hervor, dass Teilnehmende sich durch solche Beteiligungsformate gehört fühlen. Zudem unterschied er zwischen Input- und Output-Legitimation der Räte und diskutierte die damit verbundene Herausforderungen, wie etwa mögliche Überrepräsentationen bestimmter Gruppen und die tatsächliche Umsetzung der erarbeiteten Handlungsempfehlungen. Darüber hinaus thematisierte Kessler u.a. das Paternalismus-Problem und die Frage, wie Herrschaftsfreiheit und Unabhängigkeit bei kommunal initiierten Beteiligungsverfahren gewährleistet werden können.

Auf die drei Impulsvorträge folgte eine angeregte Diskussionsrunde, in der das Publikum eigene Schwerpunkte setzen konnten.

Die Veranstaltungsreihe wird unter anderem in interdisziplinärer Zusammenarbeit der Professur für Sozialwissenschaftliche Nachhaltigkeitsforschung mit dem Lehrbereich der Politischen Theorie, dem Lehrstuhl für Internationale Beziehungen und Europaforschung, der Professur für Öffentliches Recht und Wirtschaftsvölkerrecht und dem WueLAB umgesetzt. Die Veranstaltung war für die GSiK Zertifikate ("Interkulturelle Kompetenz" im Bereich C sowie "Nachhaltigkeit und globale Verantwortung") anrechenbar.

Zurück