Vortrag von JProf. Dr. Steve Kenner zum Thema „Normativität und Kritik: Politische Bildung im Kontext von Nachhaltigkeit und Transformation“
15.12.2025Im Rahmen der Veranstaltungsreihe des Forum Nachhaltigkeit fand am 15. Dezember 2025 die zweite Veranstaltung im Wintersemester 2025/26 zum Oberthema "Nachhaltigkeitspolitik in der Defensive?!" statt. Nach einer kurzen Einführung durch Jack Lahr (JMU) referierte JProf. Dr, Steve Kenner (Pädagogische Hochschule Weingarten) zum Thema „Normativität und Kritik: Politische Bildung im Kontext von Nachhaltigkeit und Transformation“.
JProf. Dr. Steve Kenner eröffnete seinen Vortrag mit der Einordnung Politischer Bildung in eine Zeit multipler Krisen, die ökologische, ökonomische, soziale und demokratische Strukturen betreffen. Vor diesem Hintergrund diskutierte Kenner den demokratischen Bildungsauftrag. Anknüpfend an Oskar Negt hob er dabei hervor, dass Demokratie aktiv gelernt werden muss und keine Selbstverständlichkeit darstellt, sondern ein emanzipatorischer Prozess ist. Die Menschenwürde (Art. 1 GG) kann dabei als zentrale normative Orientierung dienen, die durch die Verankerung des Bildungsauftrags in den jeweiligen Landesverfassungen ergänzt wird. Mit Bezug auf Adorno betonte Kenner zudem das Ziel von Bildung zur Mündigkeit, Kritikfähigkeit sowie zum „Widerstand“.
In der weiteren Diskussion zur Umsetzung von Politischer Bildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung wurde hervorgehoben, dass die kritisch-emanzipatorische Perspektive über reine Wissensvermittlung hinausgeht und analytisches Denken sowie Handlungskompetenz stärkt. Politische Bildung steht dabei in einem Spannungsfeld: Sie soll einerseits zur kritischen Reflexion bestehender Verhältnisse befähigen und andererseits die normativen Grundlagen der Demokratie verteidigen. Notwendig sei daher eine reflektierte Balance zwischen Herrschaftskritik und Demokratieverteidigung. Abschließend plädierte Kenner für eine stärkere Förderung Politischer Bildung, um junge Menschen zur aktiven Mitgestaltung einer transformierenden Gesellschaft zu ermutigen und zu befähigen.
Die Veranstaltungsreihe wird unter anderem in interdisziplinärer Zusammenarbeit der Professur für Sozialwissenschaftliche Nachhaltigkeitsforschung mit dem Lehrbereich der Politischen Theorie, dem Lehrstuhl für Internationale Beziehungen und Europaforschung, der Professur für Öffentliches Recht und Wirtschaftsvölkerrecht und dem WueLAB umgesetzt. Die Veranstaltung war für die GSiK Zertifikate ("Interkulturelle Kompetenz" im Bereich C sowie "Nachhaltigkeit und globale Verantwortung") anrechenbar.
