Vortrag von Levi Rhomberg und Linda Koch zum Thema „Der Würzburger Zukunftsrat: Deliberative Demokratie als Lösungsstrategie“
21.01.2026Im Rahmen der Veranstaltungsreihe des Forum Nachhaltigkeit fand am 21. Januar 2026 die dritte Veranstaltung für das Wintersemester 2025/26 zum Oberthema "Nachhaltigkeitspolitik in der Defensive?!" statt. Levi Rhomberg und Linda Koch (beide JMU) stellten den Würzburger Zukunftsrat als Beispiel für deliberative Demokratie vor. Eine anschließende Diskussionsrunde mit Teilnehmenden des Zukunftsrats vertiefte die Einblicke in Würzburgs ersten Bürger*innenrat.
Das Projekt übernahm eine hybride Rolle als Transformations- und Forschungsexperiment, das Bottom-up- und Top-down-Elemente kombinierte. Bürger*innenräte fungieren als sogenannte „Mini Publics“, in denen zufällig ausgewählte Personen kollektiv und freiwillig über politische Fragen diskutieren. Aus einer Zufallsstichprobe wurde ein diverses, wenn auch nicht repräsentatives Team von 35 Personen gebildet. In drei moderierten Sitzungen im Sommer 2025 erhielten die Teilnehmenden fachliche Inputs durch Mobilitätsexperten und Informationsmaterialien. In Arbeitsgruppen zu öffentlicher Personennahverkehr, Fahrradverkehr, motorisierter Individualverkehr, Fußverkehr sowie Kommunikation und Information erarbeitete der Rat 15 konkrete Handlungsempfehlungen. Abschließend wurden diese im Stadtrat präsentiert, wo die Rückmeldung überwiegend positiv ausfiel. Parallel erfolgte eine Forschungsdokumentation des Prozesses durch teilnehmende Beobachtungen.
In der anschließenden Diskussionsrunde bewerteten die anwesenden Teilnehmenden ihre Erfahrung ebenfalls überwiegend positiv und äußerten die Bereitschaft zu einer erneuten Teilnahme. Besonders hervorgehoben wurden der respektvolle Austausch, die neutrale Moderation sowie die Bereitstellung verständlicher Informationen durch die Experten. Zudem wurde betont, dass eine transparente, begründete Reaktion der Stadtverwaltung zentral für das Erfolgsgefühl ist, um Frustration zu vermeiden und die Bürgerbeteiligung ernsthaft anzuerkennen.
Insgesamt zeigte die Veranstaltung, dass Bürger*innenräte dazu beitragen können, die Distanz zwischen Politik und Bevölkerung zu verringern, wissenschaftliches Wissen in den öffentlichen Diskurs einzubringen und eine aktive Mitgestaltung nachhaltiger und ortsangepasster Stadtentwicklung durch die Bürger*innen zu ermöglichen. Trotz fehlender rechtlicher Verbindlichkeit können solche Formate Perspektivwechsel anstoßen, Inklusion fördern und die Akzeptanz für notwendige Transformationen stärken – bleiben jedoch mit Herausforderungen der Umsetzung und institutioneller Einbettung konfrontiert.
Die Veranstaltungsreihe wird unter anderem in interdisziplinärer Zusammenarbeit der Professur für Sozialwissenschaftliche Nachhaltigkeitsforschung mit dem Lehrbereich der Politischen Theorie, dem Lehrstuhl für Internationale Beziehungen und Europaforschung, der Professur für Öffentliches Recht und Wirtschaftsvölkerrecht und dem WueLAB umgesetzt. Die Veranstaltung war für die GSiK Zertifikate ("Interkulturelle Kompetenz" im Bereich C sowie "Nachhaltigkeit und globale Verantwortung") anrechenbar!
