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Institut für Politikwissenschaft und Soziologie

Geschlechterordnungen im Wandel: ICAS:MP-Workshop diskutiert außenpolitische Kontestationen globaler Gendernormen sowie Alter(n)

03.07.2026

Wie verändern sich Vorstellungen von Geschlecht in der internationalen Politik und im Lebensverlauf? Diese Fragen standen im Zentrum des zweitägigen ICAS:MP-Workshops "The Challenge of Gender" am 2. und 3. Juli 2026 in Würzburg. Neben Panels zu Alter und Alter(n) in transkulturellen Kontexten bildete das Panel „The Contestation of Global Gender Norms“ einen Schwerpunkt aus der Perspektive der Internationalen Beziehungen.

Prof. Ummu Salma Bava (JNU New Delhi) und Dr. Philipp Gieg (IPS, Universität Würzburg)

Am 2. und 3. Juli 2026 kamen internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rahmen des ICAS:MP-Workshops "The Challenge of Gender" in Würzburg zusammen, um über Geschlecht in unterschiedlichen gesellschaftlichen, historischen und politischen Kontexten zu diskutieren. Der Workshop verband Beiträge zu "Age and Ageing in Transcultural Contexts" mit einer internationalen Debatte über die Aushandlung und Anfechtung globaler Geschlechternormen.

Das Programm umfasste zahlreiche Vorträge zu Alter, Altern und Geschlecht in Europa und Asien – von Fragen des Alleinlebens im Alter, über Fürsorge, Demenz und Witwenschaft bis hin zu historischen und literarischen Perspektiven auf Alterungsprozesse. Einen besonderen Akzent setzte zudem das Abendprogramm am 2. Juli mit einem Gespräch zwischen der Autorin Verena Lueken und Prof. Mary E. John über Luekens Buch "Alte Frauen", gefolgt von einem Empfang.
 

Wie werden Gleichstellungsnormen in außenpolitischen Kontexten artikuliert, interpretiert und kontestiert?

Ein besonderer Schwerpunkt des zweiten Workshoptages war das Panel "The Contestation of Global Gender Norms: Analyzing and Situating Gender Equality in Foreign Policy". Das Panel untersuchte, wie globale Gleichstellungsnormen in unterschiedlichen außenpolitischen Kontexten artikuliert, interpretiert und kontestiert werden. Im Mittelpunkt standen die Aushandlung von Geschlechternormen in der Außenpolitik sowie ihre Bedeutung für globale Governance in einer zunehmend fragmentierten Weltordnung.

Nach einer Einführung durch die Panel-Organisator:innen Prof. Ummu Salma Bava (Jawaharlal Nehru University, New Delhi) und Dr. Philipp Gieg vom Lehrstuhl für Internationale Beziehungen und Europaforschung am IPS (Universität Würzburg) diskutierte PD Dr. Julia Roth (Universität Bielefeld/Haus der Kulturen der Welt) in ihrem Vortrag "Global Contestations of Gender Rights" die weltweiten Auseinandersetzungen um Frauen- und Geschlechterrechte. Sie argumentierte für einen analytischen Rahmen, der lokale Konflikte um Gleichheit und Geschlechterrechte in ihren globalen Verflechtungen versteht, und beleuchtete am Beispiel von Staatsbürgerschaft die Spannungen zwischen universellen Menschenrechten und partikularen Zugehörigkeitsordnungen.

Dr. Hanna Mühlenhoff (Universität Amsterdam) widmete sich in ihrem Beitrag "Gender Justice in EU External Relations after the EU’s Geopolitical Turn" den Folgen der geopolitischen Neuausrichtung der Europäischen Union. Sie zeigte auf, wie die stärkere Orientierung an Machtpolitik, strategischer Autonomie und Sicherheitsinteressen mit umfassenderen Vorstellungen von Geschlechtergerechtigkeit in Spannung geraten kann und welche Widersprüche daraus für die Außenbeziehungen der EU entstehen.

Dr. Philipp Gieg widmete sich anschließend "India’s Contestation of Global Gender Norms". Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Indien globale Gleichstellungsnormen in internationalen Foren interpretiert und neu formuliert. Besonderes Augenmerk galt dabei dem von der Regierung Modi propagierten Konzept des Women-Led Development (Nari Shakti), mit dem sich Indien nicht nur als Normadressat, sondern als Mitgestalter globaler Geschlechternormen positionieren möchte.

Den Abschluss bildete der Vortrag von Shubha Chacko (Solidarity Foundation, Bengaluru) mit dem Titel "Another BRICS in the Wall: Gender, Power, and the Limits of a Multipolar Promise". Chacko analysierte die Rolle von Geschlechterfragen innerhalb der BRICS-Staaten und argumentierte, dass geschlechterpolitische Anliegen trotz wiederholter Bekenntnisse bislang nur begrenzt institutionell verankert seien.
 

Impulse für die Forschung zu Gender und Internationalen Beziehungen

Das Panel machte deutlich, dass globale Geschlechternormen heute zu den umkämpftesten Themen internationaler Politik gehören. Die Beiträge zeigten zugleich, wie fruchtbar die Verbindung von Internationalen Beziehungen, feministischer Theorie und Global-Governance-Forschung für das Verständnis gegenwärtiger Auseinandersetzungen um Gleichheit, Rechte und internationale Ordnung ist.

Das Panel fand im Rahmen des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderten M.S. Merian – R. Tagore International Centre of Advanced Studies “Metamorphoses of the Political” statt, einer deutsch-indischen Forschungskooperation zur Analyse globaler gesellschaftlicher und politischer Transformationen.

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