Innovatives Lehrprojekt: Masterseminar zur europäischen Entwicklungszusammenarbeit zu Gast bei der DAHW in Würzburg
Das Masterseminar "Europäische Entwicklungszusammenarbeit: Theorie, Empirie und Praxis" unter der Leitung von Dr. Philipp Gieg war am Freitag, den 16. Januar 2026, im Rahmen einer praxisorientierten Blockveranstaltung zu Gast bei der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe. Dabei erhielten die 19 Seminarteilnehmenden Einblicke in die Arbeit einer international tätigen Nichtregierungsorganisation im Gefüge der Multi-Level-Development-Governance.
Nach der Begrüßung führten Saanika Amembal (Referentin für entwicklungspolitische Bildungsarbeit) und Manuel Koch (Referent Public Relations & Fundraising) in die Rolle der DAHW in der Entwicklungszusammenarbeit ein. Thematisiert wurden unter anderem der Entwicklungsbegriff der Organisation, ihre Positionierung im europäischen und internationalen Mehrebenensystem sowie aktuelle Herausforderungen für die Projektarbeit.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Arbeit in den Partnerländern und der Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen. Grace Mwasuka, Sozialarbeiterin im DAHW-Landesbüro in Tansania, berichtete per Zoom über ihre Arbeit vor Ort. Dabei wurden auch die Auswirkungen internationaler Mittelkürzungen – vor allem der nahezu vollständigen Einstellung der US-Entwicklungszusammenarbeit – diskutiert sowie neue Akteurskonstellationen und Lösungsansätze in der Entwicklungszusammenarbeit beleuchtet.
Nach der Pause stand das Berufsfeld Entwicklungszusammenarbeit im Fokus. Felicitas Schwermann (Ärztin und Referentin für Globale Gesundheit & Forschung), Juliane Meißner (Referentin für MEAL – Monitoring, Evaluation, Accountability and Learning) und erneut Manuel Koch stellten unterschiedliche Karrierewege innerhalb der DAHW vor. In einer offenen Fragerunde erhielten die Studierenden die Möglichkeit, konkrete Fragen zu Berufseinstieg, Arbeitsalltag und Qualifikationsprofilen zu stellen.
Zugleich wurden auch zentrale Herausforderungen und Widersprüchlichkeiten der Entwicklungszusammenarbeit, etwa Fragen von Machtasymmetrien, Abhängigkeiten von Fördermitteln, Wirkungsmessung, Lokalisierung, Nachhaltigkeit sowie das Spannungsverhältnis zwischen professioneller Projektlogik und lokalen Bedarfen, offen angesprochen und kritisch diskutiert.
Im abschließenden Teil arbeiteten die Teilnehmenden in Gruppen an konkreten Fallbeispielen aus der DAHW-Projektpraxis. Unter der Leitung von Saanika Amembal analysierten sie die Projekte anhand zuvor im Verlauf des Semesters erarbeiteter Konzepte und Theorien und reflektierten zentrale Herausforderungen der Entwicklungszusammenarbeit, etwa im Bereich Evaluation, Partnerschaftlichkeit und Nachhaltigkeit.
Die Blockveranstaltung bot den Studierenden nicht nur wertvolle Einblicke in die praktische Arbeit einer Entwicklungs-NGO, sondern ermöglichte auch einen intensiven Austausch mit erfahrenen Praktikerinnen und Praktikern. Sie machte deutlich, dass Entwicklungszusammenarbeit nicht nur von Erfolgsgeschichten, sondern ebenso von Zielkonflikten, strukturellen und finanziellen Begrenzungen sowie komplexen Aushandlungsprozessen geprägt ist. Gerade die offene Reflexion dieser Spannungsfelder trug dazu bei, die im Seminar behandelten theoretischen Ansätze kritisch mit realen Erfahrungen zu verknüpfen und europäische Entwicklungszusammenarbeit als ein dynamisches, politisch wie normativ umkämpftes Handlungsfeld sichtbar zu machen.


