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Intern
Institut für Politikwissenschaft und Soziologie

Profil und Studieninhalte

Profil

Das Masterstudium „Sozialwissenschaftliche Nachhaltigkeitsforschung“ wird am Institut für Politikwissenschaft und Soziologie im Rahmen eines konsekutiven Bachelor- und Master-Studienmodells angeboten.

Das deutsch- und englischsprachige Masterprogramm Sozialwissenschaftliche Nachhaltigkeitsforschung richtet sich an Student*innen, die ihre Kenntnisse der Sozialwissenschaften mit Fokus auf die vielschichtige und komplexe Thematik der Nachhaltigkeitsforschung mit interdisziplinären Forschungszugängen erweitern möchten.

Das vier-semestrige Masterstudium greift die sozialwissenschaftliche Ausrichtung der Nachhaltigkeitsforschung auf und kombiniert politikwissenschaftliche und soziologische Forschungsperspektiven des IPS mit Bezug auf aktuelle gesellschaftliche und politische Entwicklungen.

Als forschungsorientierter Studiengang mit dem Abschluss „Master of Arts“ (M.A.) können Student*innen das Forschungsgebiet der Nachhaltigkeit interdisziplinär studieren und Kompetenzen im Bereich der Nachhaltigkeit hinsichtlich wissenschaftlicher, gesellschaftlicher und kultureller Fragestellungen, Problemfelder und Politikdefizite erweitern.

Auf Grund der integrativen Kombination der Fächer Sozialwissenschaftliche Nachhaltigkeitsforschung, Politikwissenschaft und Soziologie erwartet Sie ein breites Themenspektrum, das es Ihnen erlaubt, sich durch eigenständige Schwerpunktsetzung zu spezialisieren. Das Studium inkludiert Seminare aus den Lehrbereichen der Sozialwissenschaftlichen Nachhaltigkeitsforschung, der Vergleichenden Politikwissenschaft, der Europaforschung und der Internationalen Beziehungen, der Politischen Theorie, der Allgemeinen und Speziellen Soziologie, sowie der Methoden der Empirischen Sozialforschung. 

Neben der fachlichen Qualifikation eröffnet der Studiengang die Möglichkeit, das eigene Profil durch berufsrelevante Praktika, Auslandsaufenthalte und weitere Zusatzqualifikationen zu schärfen.

Der Masterstudiengang qualifiziert Studierende für wissenschaftliche Tätigkeiten in der universitären und außeruniversitären Forschung und in wissenschaftlich orientierten Berufsfeldern. Hierzu zählen u.a. die Politikberatung, die Markt- und Meinungsforschung, die Tätigkeit in Medien, Verbänden, in internationalen Institutionen, der Wirtschaft, den Einrichtungen der politischen Bildung sowie im Verlagswesen. Die Relevanz des Themas Nachhaltigkeitsforschung eröffnet zudem gute Chancen für die Arbeit in Behörden und Unternehmen.

Für die akademische Karriere werden die Grundlagen für die Verfassung einer Dissertation vermittelt. Eine Promotion kann anschließend im Rahmen der interdisziplinären Graduiertenschulen der JMU absolviert werden.

Studieninhalte

Sozialwissenschaftliche Nachhaltigkeitsforschung

Student*innen erhalten einen Überblick über die bestehenden sozialwissenschaftlichen Forschungsansätze in den Fachgebieten der Politikwissenschaft und Soziologie mit Fokus auf die interdisziplinäre Klima- und Nachhaltigkeitsforschung. Diese orientiert sich oftmals an den von den VN formulierten Sustainable Development Goals, etwa die Bekämpfung von Armut, Chancengleichheit der Geschlechter, hochwertige Bildung, Gesundheit und Wohlergehen.

Zudem vermittelt der Forschungsbereich den Studierenden die Fähigkeit, grundlegenden Fragen und Forschungsfelder zu strukturieren und zueinander in Beziehung zu setzen und die Bedeutung der fachbezogenen und interdisziplinären Arbeit zu reflektieren.

Allgemeine Soziologie

Der thematische Schwerpunkt liegt auf den Ansätzen einer noch jungen „Soziologie der Nachhaltigkeit“, die erarbeitet, rekonstruiert und kritisch diskutiert werden. Hierzu ist ein Bezug auf das vorhandene Themen- und Theoriespektrum soziologischer Forschung unabdingbar. Im Vordergrund stehen Fragen der soziologische Grundlagen- und Theoriearbeit um zu erörtern, mit welchen Theorieressourcen eine Soziologie der Nachhaltigkeit ausgestattet sein müsste. Dazu gehören auch Fragen nach den Anschlussmöglichkeiten an einzelnen subdisziplinäre soziologische Forschungsgebiete wie die einer Soziologie des Politischen, einer Soziologie des Wissens und einer Soziologie der Weltgesellschaft.

Methoden der Quantitativen Empirischen Sozialforschung

Im Rahmen der Methoden der Quantitativen Empirischen Sozialforschung werden quantitative Methoden behandelt, die für die empirische Nachhaltigkeitsforschung zentral sind. Ausgehend von Überlegungen zur Messbarkeit von relevanten Konstrukten wie etwa spezifische Einstellungen und Überzeugungen bis hin zu Verhalten und politischen Maßnahmen wird deren (internationale) Vergleichbarkeit kritisch reflektiert und diskutiert. Einen großen Stellenwert nehmen Methoden der international vergleichenden Forschung wie z.B. Mehrebenenanalyse, Längsschnitt-Methoden auf Länderebene sowie Experimente und Evaluationsstudien ein.

Vergleichende Politikwissenschaft und Systemlehre

Der Lehrbereich der Vergleichenden Politikwissenschaft und Systemlehre widmet sich der Analyse und Evaluation unterschiedlicher Konzepte von Umweltpolitik, inklusive der Wirkung von divergenten Instrumenten und Steuerungsformen, sowie deren institutionelle Grundstrukturen. Aufbauend auf den Grundelementen der Policy-Forschung erfolgt eine komparative Untersuchung der Umweltpolitik ausgewählter Staaten (Demokratien und Autokratien). Erfasst werden gleichfalls die Ergebnisse der Umweltpolitik. Hierzu ist der Einbezug verschiedener Messkonzepte erforderlich, deren Validität kritisch reflektiert wird. In der vergleichenden Analyse können verschiedene Falldesign und komparative Auswertungsmethoden eingesetzt werden.

Europaforschung und Internationale Beziehungen

Nachhaltigkeitspolitik (nachhaltige Entwicklung und Klimapolitik) kann nur dann die notwendigen Fortschritte erzielen, wenn sie weltweit greift. Sie muss im Rahmen einer Global Governance konzipiert, beschlossen und implementiert werden. Die politikwissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Nachhaltigkeitspolitiken zentraler Internationaler Organisationen wie den Vereinten Nationen und weiterer internationaler Kooperationsformate wie die G-7 und G 20, BRICS, IBSA u.a. gehört daher zum Studieninhalt. Ein besonderer Fokus wird auf die Nachhaltigkeitspolitik der EU gelegt, die nicht nur den Rahmen deutscher Nachhaltigkeits- und Klimapolitik setzt, sondern zunehmend auch die Rolle als weltweiter Vorreiter auszuüben gezwungen ist.

Spezielle Soziologie und Qualitative Methoden der Empirischen Sozialforschung

Nachhaltige Politiken sind mit demokratischen Entscheidungsverfahren und der entsprechenden Einbindung von Öffentlichkeiten verbunden: Wie aber stellen sich Öffentlichkeiten praktisch her? Zur Beantwortung dieser Frage werden unterschiedliche Theorien und Empirien aus der Soziologie zum Thema Öffentlichkeit zur Diskussion gebracht. Gleichzeitig soll der Einfluss von Medien auf öffentliche Vermittlungsprozesse gewürdigt werden. Schließlich stellt sich die Frage, wie Öffentlichkeiten innerhalb einer nachhaltigen Entscheidungsfindungspraxis Anschluss finden können.

Im Rahmen der Qualitativen Methoden der Empirischen Sozialforschung werden vertiefte Kenntnisse in qualitativen Forschungsmethoden vermittelt, die für die empirisch-induktive Beforschung von Nachhaltigkeitsthemen relevant sind, wie etwa: Wie beforscht man soziologisch die Folgen einer nicht nachhaltigen Politik (etwa die Folgen von globaler sozialer Ungleichheit, Umweltrisiken, Migrationserfahrungen resp. die Praktiken globaler kritischer Öffentlichkeiten)?

Politische Theorie

Nachhaltigkeitsaspekte werden in der politischen Theorie schon seit Längerem thematisiert, wenn auch meist unter anderen Überschriften. Einen Schwerpunkt bilden dabei Gerechtigkeitsüberlegungen im nationalen und internationalen Rahmen, in beiden Kontexten geht es um Fragen der Verteilungsgerechtigkeit. Darüber hinaus wurden in der normativen Theorie der Gerechtigkeit bereits früh Fragen der intergenerationellen Gerechtigkeit aufgeworfen und Lösungsvorschläge in Form „gerechter Spargrundsätze“ entwickelt, die gegenwärtige Generationen zur Unterstützung zukünftiger befolgen sollten.

Grundsätzlich stellt sich im außereuropäischen Kontext auch die Frage nach Alternativen zum westlichen Wirtschaftssystem und den damit verbundenen Lebensstilen bzw. „Konzeptionen des guten Lebens“. Zudem wird die Frage diskutiert, ob Entwicklungsländer („Länder des globalen Südens“) ein Anrecht auf nachholende Modernisierung mit den bekannten negativen Folgen für eine globale Nachhaltigkeit haben und ob die Länder des Westens zu Kompensationszahlungen für die von ihnen verursachten Schäden, in Form des Kolonialismus und der Umweltverschmutzung, verpflichtet sind.